Die Odyssee

Öl-auf-Glas-Animation
2018, 80min
Regie: Florence Miailhe

„Die Flucht hatte unsere Kindheit vernichtet und mit ihr unser ganzes bisheriges Leben. Ich wusste nicht, was uns auf der anderen Seite erwartete. Aber Adriel war mit mir und wir hatten soeben die letzte Grenze überquert. Ich rannte und konnte jedoch meine Tränen nicht zurückhalten. Dabei wusste ich nicht, worüber ich eigentlich weinte. Meine Eltern, meine Brüder und Schwestern und all die Menschen, die ich geliebt hatte und zurück lassen musste…. Mein ganzes Leben lang hoffte ich, sie würden an meiner Tür schellen, dass ich sie zufällig auf der Straße an einer Ecke treffen würde, dass ich einen Brief erhalten würde. Man weiß nie, denn diese Dinge bleiben ungewiss, nicht wahr, man weiß nie…“.

So zieht Kyona das Resümee ihres Lebens während sie ihren Skizzenblock durchblättert und vom Ende ihrer Kindheit erzählt. Kyona und ihr Bruder Adriel sind fast noch Kinder als eines Sommers ihr Dorf Novi Varna von Bauern aus dem Umland verwüstet und in Brand gesteckt wird. Ab nun sind sie sind von Verfolgungen bedroht und ihre älteren Geschwister werden von der Polizei gesucht. Die Familie hat keine andere Wahl als Novi Varna zu verlassen. Die Eltern beschließen den Kontinent zu durchqueren, um zu einem Cousin in den Freien Staaten zu gelangen. Zu Fuß, mit Bündeln beladen und umgeben von ihren Kindern beginnt ihre Reise. Die Erkenntnis, dass sie zu Migranten geworden sind kommt bei der ersten Station ihrer Reise, am Bahnhof. Die bunte und heterogene Menschenschar, die sie dort umgibt, ist ebenfalls auf dem Weg. Die Gründe sich zur letzten Grenze aufzumachen sind vielfältig: Naturkatastrophen, Folgen des Klimawandels, Krieg, Verfolgungen. Allen ist jedoch klar wie gefährlich und ungewiss die Reise ist. Die Familie schafft es in den überfüllten Zug, aber der Konvoi wird nachts gestoppt und die Passagiere, streng bewacht, abgeführt. Einzig Kyona und Adriel entkommen der Razzia. Kyona hat ihrem Vater bei der Trennung versprochen ihren Bruder zu beschützen und ihn zum Dorf des Cousins zu führen…

Eine Koproduktion von Les Films de l´Arlequin (Paris), Balance Film und MAUR FILM (Prag). Gefördert durch FFA, Mini Traité, MDM, DFFF, ARTE, MDR und Eurimage.